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Tony CRaggs- Skulpturenpark Waldfrieden
Freitag, 14. Oktober 2011, 08:00
bis Sonntag, 19. Februar 2012

Wunderwald

Tony Craggs Skulpturenpark in Wuppertal

Ein Wald voll seltsamer Pflanzen: Ein Stein verneigt sich, eine Muschel versteckt im Gras. Zweige, die uns anlächeln oder auslachen - wie Wesen aus einer fremden Welt wirken Tony Craggs Objekte in Wuppertal. Seit 2008 lebt der Brite hier seine Vision: ein Biotop, das Natur und Kunst verbindet - auf 16 Hektar, die Staunen machen.

"In der ersten halben Stunde, nachdem ich hier unter dem Zaun durch geklettert bin, war ich begeistert von diesem Areal", erinnert sich Tony Cragg. "Es gibt überall Wald, aber es ist etwas hier, das von den Energien lebt. Man merkt, dass die Stadt nicht weit weg ist. Man kommt aus einer urbanen Situation und plötzlich ist da eine Stille und natürliche Qualität." Herzstück des Parks ist die Villa Waldfrieden, ein anthroposophischer Traum aus den 1940er Jahren. Cragg kaufte es als Ruine, setzte Fenster ein und legte Wände trocken. Das Haus ist rund wie ein lebender Organismus und so ungewöhnlich wie der Mann, der es einst erschuf: Kurt Herberts, ein Fabrikant und Menschenfreund bot Künstlern hier während der Nazi-Zeit Zuflucht.

Natur umarmt Architektur

Craggs Plastik "Spectrum" von 1979 wird im Pavillon ausgestellt.

"Herbert hat das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut", sagt Tony Cragg. "Es lehnt sich gegen das Moderne auf. Im Modernen scheidet sich normalerweise die Figur von der Architektur. Hier wird man von der Architektur umarmt und damit emotional beeinflusst." Natur umarmt Architektur: Auch ein Pavillon gehört zum magischen Spaziergang. Mitten im Wald zeigt Cragg Kunst von Kollegen und eigene Anfänge. Pop-Collagen aus den 1970ern machen Poesie aus dem Müll der Wegwerfgesellschaft. Sein Werk will unseren Blick schärfen, die Dinge befreien vom Zwang zur Nützlichkeit.

"Worte wie 'Poesie' und 'spirituell' sind keine Dinge, die man herstellen kann", so Cragg. "Wenn man im Wald für zehn Minuten ganz still und allein steht, ist das ein wahnsinniges spirituelles Erlebnis. Wenn man allein mit einem Bild in einem Museum steht und das Bild ansieht, bekommt man fast einen Kreislaufkollaps davon. Man fängt an zu schwitzen. Das ist so wunderschön, das ist immer da. Es liegt an uns, das erst einmal zu sehen, wahrzunehmen, es zu interpretieren und daraus etwas zu machen. Das ist unsere Aufgabe."

Gesetze von Statik setzt er außer Kraft

Craggs Skulpturen wachsen über Wuppertal.

Erdacht und in die Welt gebracht wird solche Kunst in Craggs Atelier, einst Panzerwerkstatt, heute Europas größte Skulpturenmanufaktur. Hier experimentiert er mit Plastik und Bronze, Keramik und Holz. Wie ein Alchemist wandelt und verwandelt Tony Cragg Material, sucht und überschreitet Grenzen. Gesetze von Volumen und Statik setzt er außer Kraft. "Meistens geht es darum, Dinge zu machen, die eine bestimmte Energie haben, die nicht unbedingt eine starke Vitalkraft, aber eine Kraft haben", erklärt Cragg. "Das Material, das die Menschen interessiert, muss die Schwerkraft überwinden. So wie unser Gehirn acht Mal jede Sekunde eine Botschaft an unsere Wirbelsäule schickt, wie man stehen muss. Wenn man das nicht befolgt, fällt man hin."

Cragg zeigt Energie, die nirgendwo sonst zu sehen ist, Objekte, die ihr Innerstes nach Außen stülpen, Tonnenschweres, das zu Schweben beginnt. Wie Moleküle drehen und schrauben sie sich in die Welt - wunderbare Artenvielfalt, die den Briten zu einem der maßgeblichen Künstler unserer Zeit gemacht hat. "Für mich ist es ein Abenteuer", so Cragg. "Eine Reise ohne ein Ende, ohne ein Ziel. Ich will am Ende überrascht sein, wo ich gelandet bin. Ich will etwas gelernt und erlebt haben. Das ist alles, worum es für mich geht. Das einzige, was ich nicht will, ist eine Parodie von einer armseligen Materialwelt zu machen, die nur geometrisch und langweilig ist und ohne Geist, nur aus kommerziellen Hintergründen gemacht ist." Seine Kunst hat Geist. Der Markt buhlt mit fünf-, sechsstelligen Summen um Craggs Geschöpfe. In Wuppertal kann man ihnen wunderbar still begegnen, im Laub eines Zauberwalds, ganz nahe der Stadt, an einem beinahe unwirklichen Ort.

 

© dpa"Tony Cragg Frühwerke"

Skulpturenpark Waldfrieden

Wuppertal

bis 19.02.2012

Veranstaltungsort* : Wuppertal
Event-Link : http://www.skulpturenpark-waldfrieden.de/

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